Sie ist die erste CDU-Ministerpräsidentin Deutschlands. Erst wollte sie nicht, nun macht es ihr Spaß: Christine Lieberknecht regiert seit 100 Tagen Thüringen. In ihrem Stil erinnert sie an die Kanzlerin.
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Lieber Knecht oder doch lieber Herrin?
Sie hat sich immer freundlich gewährt, nun macht sie ihre Witze. Selbst Teile ihrer eigenen Fraktion haben sich gewährt, nach Witzen ist ihnen nun nicht mehr. Das ist die kurze Bilanz nach 100 Tagen Lieberknecht als Ministerpräsidentin in Thüringen. Die lange Version sagt aus, dass sich die 51-Jährige schon jetzt zu einer Chefin nach großem Vorbild entwickelt hat: Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Lieberknecht ist vor mehr als vier Monaten eingesprungen, als Dieter Althaus nach seiner Wahlschlappe zurück getreten ist. Sie nahm nach Jahren der CDU-Alleinherrschaft Kurs auf eine Koalition mit der SPD. Das haben der studierten Theologin nicht alle gedankt. In zwei Wahlgängen hat die CDU-Fraktion am 30. Oktober nicht vollständig hinter ihrer zukünftigen Chefin gestanden. Lieberknecht wurde erst im dritten gewählt. Geschadet hat ihr das Wahldebakel nicht. Ebenso wenig das gebetsmühlenartig vorgetragene «Nein». Immer dann, wenn es um die Frage ging, ob Lieberknecht überhaupt Ministerpräsidentin werden möchte.
Diese kleine Vorgeschichte muss erwähnt werden, um aufzeigen zu können, nach welchem Muster Christine Lieberknecht vorgeht. Denn Lieberknecht, soviel ist nach 100 Tagen Amtszeit ebenso klar, ist weder eine Haudraufpolitikerin á aà la Gerhard Schröder, noch ein Machtmensch á la Helmut Kohl. Sie ist, möchte man sie mit großen Bundespolitikern vergleichen, eher die Angela Merkel Thüringens. Und das liegt nicht nur daran, dass beide Frauen in Pfarrersfamilien aufgewachsen sind. Es ist auch ihr Stil.
«Das Regieren macht mir Spaß», sagt Lieberknecht nach 100 Tagen im Amt. Sie gehe jeden Morgen gern zur Arbeit. Nach der Ära Althaus hat Lieberknecht bereits jetzt die thüringische Politik entgiftet. Die Fronten, besonders zwischen SPD und CDU sind nicht mehr derart verhärtet, wie noch unter der CDU-Alleinherrschaft. Und das liegt nicht nur daran, dass die Parteien eine Koalition eingegangen sind. «Ja, wir sind kollegial, gemeinschaftlich aber auch nüchtern und sachlich», sagt Lieberknecht. Es gebe sogar Symphatie.
Das Kumpel-Du ist verschwunden
Lieberknecht hatte sich eine deratige Harmonie zwar gewünscht, aber dass es klappen würde, daran traute sie sich nicht zu denken. «Ich hatte Respekt vor dem Amt, habe es als Pflicht gesehen, es zu übernehmen», sagt sie. Alle Ministerien seien gut besetzt, nach 100 Tagen gebe es keinen Grund, etwas zu verändern. Zur besseren Atmosphäre im Kabinett haben auch so kleine Dinge wie Umgangsformen beigetragen. Auf der Regierungsbank und in Amtsbriefen redet man sich wieder förmlich an. Das Kumpel-Du ist verschwunden. Eine Sache, die Lieberknecht unter Althaus besonders geärgert hat.
Es sind die kleinen Dinge, die Lieberknecht anpackt. An die großen, zum Beispiel die Bundespolitik, möchte sie noch nicht recht ran. Sie arbeitet hinter der Fassade, präsentiert sich in keiner Talkshow. Sie verhandelt lieber vorher, als später den großen Knall zu erleben, sie macht Kompromisse, um an anderen Stellen Fraktion und Koalition hinter sich zu bekommen. Das ist es, was so sehr an Angela Merkel erinnert. Die Art der Führung.
Darauf angesprochen gibt Lieberknecht das auch gern zu. «Es gibt Dinge die uns rein sachlich einen, die Theologenfamilie, die Naturwissenschaft, das Gewinnen der Matheolympiade als Schülerin», sagt sie zu news.de. Aber es gebe auch unausgeprochene ähnliche Handlungsweisen. Lieberknecht und Merkel sind gut bekannt, nicht befreundet - dazu haben sie sich noch zu selten getroffen - aber im Geiste gleich. Dazu zählt auch der Witz, den Lieberknecht bei aller Sachlichkeit in sich trägt.
In ihrer Funktion als Wanderpräsidentin Thüringens besuchte sie zum Mauerfalljubiläum im vergangenen Oktober den Brocken im Harz. «Als ihr mich vor einem Jahr eingeladen habt, sollte ich mich kümmern, dass ich den Ministerpräsidenten Thüringens auch mit her bringe. Nun sind wir beide da», sagte sie zu ihren Wanderfreunden und blickte schelmisch. Ihr Pressegespräch zu 100 Tagen im Amt fand am Freitag in der Erfurter Glashütte statt. Draußen war dichter Nebel. Ein Symbol? «Der verzieht sich auch noch», sagte sie zu den Journalisten.
Lieberknecht hat noch etwas mit Merkel gemein. Beiden fehlt (noch) die ganz große Vision, ihr politisches Ziel. Merkel tastet sich an die Bildung heran, Lieberknecht versucht es in Thüringen zuweilen mit der Kultur. Vielleicht wird Deutschland ja bald zu einem kulturellen Bildungsland.
Leserkommentare (2)
!00 Tage im Amt.Was hat es gebracht fuer Thueringen, fuer Menschen in Arbeit und Menschen ohne Arbeit in Thueringen.Nichts aber auch garnichts.Fuer was diese Leute ueberhaupt Geld bekommen, ist mir ein Raetsel.Vor allen Dingen dieser SPD Derwisch,der doch vorgab, Ein POLITIKWECHSEL MUSS HER IN THUERINGEN, von dem hoert und sieht man gleich garnichts mehr.Von einem Wechsel ist auch nichts zu spuehren.Diese ganze Geschmeiss gehoert auf den Muellhaufen der Geschichte. Was ist nur aus dieser Welt geworden.????????????????
jetzt antworten Kommentar meldenWeil Frau Lieberknecht eine Vorliebe für die Kultur hat, kann man damit vielleicht ihre ausgedehnte "Bildungsreise" auf Staatskosten zu den olympischen Winterspielen nach Kanada erklären. Doch ich will ihr nicht vorhalten, was unser sächsischer Ministerpräsident Tillich ebenso selbstverständlich (und mit Gattin dazu) über viele Tage auf Kosten der Steuerzahler tut. Um dem Olypiavergnügen einen "dienstlichen Anstrich" zu geben, lassen sich immer "wichtige" bilaterale Verhandlungen "arrangieren".
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